Eine Partnerschaft endet, Freundschaften bleiben

Die Kirchenvorstände aus Hermannsburg und Zschachwitz haben in Absprache beschlossen die langjährige Partnerschaft zu beenden.

Zum Warum befragten wir zwei Kirchvorsteher der Gemeinden:

Susanne Biedermann: "Nun, die Zeiten ändern sich und auch die Schwerpunkte und Interessen der Gemeinden."

Steffen Klinger: "Ja die Resonanz ist immer geringer geworden, aber wichtig sind doch die Freundschaften - die bleiben."

Susanne Biedermann: "Ich selber habe 2006 – kurz nach dem ich Kirchenvorsteherin geworden bin - Zschachwitz das erste Mal besuchen dürfen. Gastfreundschaft, intensive Gespräche, geistliche Impulse, schöne Gemeindefeste, tolle Naturerlebnisse in der Sächsischen Schweiz und die Stadt Dresden waren die Eindrücke, die mir bleiben. Unvergessen war auch der Kirchentag 2011 in Dresden."

Steffen Klinger: "Uns ging es genau so bei euch, 2012 in Hermannsburg sagte Olaf Schütze: Hier ankommen ist wie ein Stück zu Hause - das spricht für sich. Persönlich war für mich der gemeinsame Besuch in Bergen-Belsen eine tiefgehende Mahnung."

Susanne Biedermann: "Ich blicke dankbar und beschenkt auf eine schöne Zeit zurück. Ich wünsche Gottes reichen Segen für die Zschachwitzer Gemeinde."

Steffen Klinger: "Diese Erfahrung der Partnerschaft trägt weiter und reicht über das Formale weit hinaus, bleibt behütet in Hermannsburg, wir lassen den Kontakt bestimmt nicht abreißen!"

Der Kirchenvorstand aus Hermannsburg hat in Absprache mit dem Kirchenvorstand aus Zschachwitz beschlossen die langjährige Partnerschaft zu beenden.

Die Zeiten ändern sich und auch die Schwerpunkte und Interessen der Gemeinden.

Ich selber habe 2006 – kurz nach dem ich Kirchenvorsteherin geworden bin- Zschachwitz das erste Mal besuchen dürfen. Gastfreundschaft, intensive Gespräche, geistliche Impulse, schöne Gemeindefeste, tolle Naturerlebnisse in der Sächsischen Schweiz und die Stadt Dresden waren die Eindrücke, die mir bleiben. Unvergessen war auch der Kirchentag 2011 in Dresden.

Die Freundschaften, die in dieser Zeit gewachsen sind, bleiben. Ich blicke dankbar und beschenkt auf eine schöne Zeit zurück. Gottes reichen Segen für eure /Ihre Gemeinde wünscht

Susanne Biedermann

gemeinsam Unterwegs
mit Hermannsburgern auf Entdeckertour

Aus Partnerschaft wurde Freundschaft
von Barbara Marwedel

Es ist so lange her – wer weiß noch etwas? Im Gedächtnis müssen kleine Mosaiksteinchen gesammelt werden.

Es war wohl in den sechziger Jahren als die Landeskirche Hannover eine Partnerschaft mit der Landeskirche Sachsen zugewiesen bekam, die sich aber zunächst auf Kirchenleitungs- und Synoden-Ebene entwickelte. Später bekamen aber die Kirchenkreise Partner in Sachsen zugewiesen und von diesen dann einzelne Gemeinden.

Durch eine persönliche Freundschaft zwischen Pfarrer Henkel in Zschachwitz und Pastor Reymann an Peter-Paul entwickelte sich zwischen beiden Gemeinden eine Partnerschaft.

Die ersten praktischen Kontakte ergaben sich durch Paketaktionen zu Weihnachten und Ostern. Die langen Tische im Gemeindesaal waren beladen mit den einfachsten Dingen des täglichen Bedarfs – Waschpulver, Seife, Papiertaschentücher usw. Das Diakonische Werk lieferte Textilien, von denen die Nietenhosen besonders begehrt waren. Aus Zschachwitz hatten wir Adressen bekommen, und so packten wir viele Pakete, streng nach Vorschrift: sehr genaue Inhaltsangabe, keine Literatur oder andere Schriftstücke, und auf das Gramm genau gemäß der Vorgabe!

Etwa Anfang der siebziger Jahre gab es dann die ersten persönlichen Begegnungen in einer Kirchengemeinde in Ostberlin. Die Pfarrfrau, eine Schwester von Pastor Reymann, versorgte uns mit Suppe und Kuchen.

Aus Hermannsburg hatten sich Pastor Lamprecht mit einer Delegation aus dem Kirchenvorstand auf den Weg nach Ostberlin gemacht. Sie trafen dort Pfarrer Prehn aus Zschachwitz, einer Abordnung aus dem Kirchenvorstand sowie den Leiter des Kirchenbüros, Martin Wolf. Man lernte sich kennen, überlegte und plante schließlich konkret den Besuch von Vertretern der Peter-Paul Gemeinde in Zschachwitz. Herr Wolf wurde gebeten, Gastgeber zu suchen. Das wurde dann in all den Jahren der Partnerschaft seine schwierigste Aufgabe. Nicht jedes Haus hatte Platz für Gäste und nicht in jedem Haus durften Gäste aus Westdeutschland untergebracht werden. Aber schließlich kamen in Hermannsburg Einladungen an. Es ergaben sich neue Verwandtschaften „Cousine Ursula“ zum Beispiel, oder andere. Das erleichterte die Einreise-Genehmigung.

An den ersten Besuch einer Gruppe in drei Autos werden sich die noch Lebenden sicher noch erinnern, an die Herzlichkeit, an die Mühen, uns „gut zu ernähren“, uns Dresden zu zeigen, an die Einladungen in verschiedene Familien, an die Gespräche im Kirchenvorstand, bei denen die Sorge um die „aufmüpfige“ Jugend in der Gemeinde eine große Rolle spielte, weil daraus auch politischer Ärger entstehen konnte. Und schließlich auch an einen Gemeindeabend mit Ananasbowle – vorsichtige Frage: woher Ananas? Antwort: man hatte überall in der Gemeinde noch nach etwas „West-Geld“ gesucht – Groschen-weise – um in einem Intershop eine Dose Ananas zu erstehen. Was war schon eine Dose Ananas für uns – aber in Zschachwitz wurde sie zu einem Zeichen für die Freude über unseren Besuch, ja ein bewegendes Zeichen für Geschwisterlichkeit. Am letzten Morgen dann eine Andacht in der Kirche. Ich erinnere mich an einen Gedanken: wir fahren zurück und die anderen können uns nicht besuchen ---- es war beklemmend.

Später durften dann auch die ersten „Rentner“ aus Zschachwitz uns besuchen, und es gab auch weitere Reisen nach Dresden mit vielen neuen Geschichten und Erfahrungen „an der Grenze“, aber dann auch schließlich viele Besuche bei uns nach der Grenzöffnung.

Und nun ist diese Partnerschaft, die zur Freundschaft wurde, zu Ende. Vieles hat sich geändert. In Dresden wächst eine junge Generation heran, die die Beschränkungen der DDR nur noch aus Erzählungen kennt. Und ob in Dresden oder in Hermannsburg, alle können reisen, wohin sie wollen.

Ja, etwas ist zu Ende gegangen, aber es bleiben Spuren, der Adventsstern im Kirchturm der Peter-Paul Kirche, vielleicht auch noch einmal Besuch von Posaunenbläsern, und vor allem alte und auch wieder neue Freunde aus Dresden in unseren Häusern.

Zschachwitz – Partner – Freunde – Dresden und viele Erinnerungen, das sind Geschenke in den Schatzkästen unserer Gemeinde und in vielen Häusern!

Stimmen aus den Gemeinden

Alle Texte wurden  unverändert eingestellt.

 

Hermannsburg, ein Blick zurück?

1974 begann etwas, das die Stephanuskirchgemeinde in Dresden-Zschachwitz über fast 44 Jahre mit der Kirchgemeinde Peter & Paul in Hermannsburg in der Lüneburger Heide verbunden hat. Eine Partnerschaft, die einer inniglichen Freundschaft sehr nahe kam.

Den Anstoß hatten die Landeskirchen der DDR und der Bundesrepublik gegeben, um die materiell schlechter gestellten Kirchgemeinden in der DDR zu unterstützen. Es war so eine Art Missionswerk für den Sozialismus, die in gemeindlichen Partnerschaften konkret werden sollte.

Pastor Lamprecht aus Hermannsburg und Pfr. Prehn aus Zschachwitz, sowie Kirchvorsteher beider Gemeinden trafen sich das erste Mal in Berlin.

Wie sollte das gestaltet werden und was wird konkret benötigt? Dies waren Schlüsselfragen vom Beginn dieser Beziehung. Es wurden Hilfstransporte organisiert, die viele Episoden mit sich brachten, denn sowohl das Pakete schicken, als auch der Grenzübertritt bei Reisen war immer eine besondere Herausforderung. In dieser Zeit war die Partnerschaft eine Einbahnstraße, nicht an Herzlichkeit und Freundschaft, aber an der objektiven Möglichkeit, dass die Einreise nur vom Westen aus in den Osten möglich war.

1989 hat sich das geändert. Plötzlich war die Grenze auch umgekehrt passierbar und es kamen viele Waren auch offiziell in Kirchgemeinden an, die es östlich der innerdeutschen Grenze bis dahin nicht zu Kaufen gab. Die materielle Not hatte also ein Ende, doch die Partnerschaft noch lange nicht! Nun änderten sich die Inhalte der Begegnungen und vor allem war es möglich, sich nun gegenseitig zu besuchen. Die Besuche wurden intensiver und vielfältiger. Die Posaunenchöre haben als erste losgelegt und sich regelmäßig getroffen und miteinander musiziert. Aber auch die Kirchenvorstände haben sich auf den Weg gemacht und sich intensiv über das Gemeindeleben ausgetauscht. Es wurde Anteil genommen an Verabschiedungen und Einführungen von Pastoren, die Veränderungen von Gemeindestruktur im gesellschaftlichen Wandel wurde besprochen und gemeinsam erlebt und plötzlich stellte sich heraus, dass die Schwierigkeiten, mit denen jede Gemeinde sich auseinander setzt, sich sehr ähnlich wurden. Also konnten wir uns gegenseitig mit Rat und Ideen unterstützen und waren in der Lage, um die jeweils andere Gemeinde in ihren Sorgen mit zu tragen. Aber auch das Geschehen des Dritten Reiches in Bergen-Belsen ist uns in solchen Begegnungen nahe gekommen. Das alles hatte nun etwas mit unserem gemeinsamen Glauben und der Gemeinschaft in dem einen lebendigen Herrn zu tun und war nicht nur dazu da, um einen gewissen materiellen Reichtum miteinander zu teilen.

Doch heute stellen wir fest, dass diese Partnerschaft nicht mehr gelebt wird, keinen Nachschub mehr hat an Kraft und Engagement. Die 40 Jahre haben wir noch bewusst miteinander in Dresden gefeiert, doch auch da war schon sichtbar, dass wir Mühe haben, um den Faden miteinander nicht zu verlieren. Nun scheint es doch Wahrheit zu werden, wir sind am Ende angelangt?

Mit einer Träne in den Augen sagen wir nun noch einmal Danke für die lange gemeinsame Zeit! Habt Dank für Eure Freundschaft, für Eure Anteilnahme und Großzügigkeit in den vielen Jahren unserer Partnerschaft. Gott segne Euch und behüte Euch in allem was Ihr tun und erleben werdet!

Wieland Kappler                                                                                                     Dresden, April 2018

Musik verbindet
Kirchentag in Dresden 2011

Partnerschaft mit Dresden Kleinzschachwitz

Mit Ausflügen Anfang der 1980er begann eine lange Freundschaft unter den Posaunenchören der beiden Kirchengemeinden. Die erst einseitigen Besuche in Dresden/Kleinzschachwitz einem südöstlichen Stadtteil begannen mit vielen langfristigen Vorbereitungen. Visa und Formalitäten standen immer am Anfang einer Reise in die DDR, an der innerdeutschen Grenze kamen die Kontrollen von Auto, Gepäck und Personen dazu. Manchmal konnte das schon Stunden dauern, es war immer ein erleichterndes Gefühl, wenn die Reise endlich weiter ging. Die viele unvergessenen und auch sehr bereichernde Erfahrungen, Freundschaften und Erlebnisse haben diese Partnerschaft geprägt.

Wir fuhren immer freitags früh um 5.00 Uhr los um pünktlich gegen 7.00 Uhr zum Wachwechsel an der Grenze zu sein. Das hatte den Vorteil das man oft nicht so lange warten musste, da zu dieser Zeit der Wechsel des Grenzpersonals stattfand.

Nach der Kontrolle musste man sich am Zielort bei der Polizei melden, danach wurden die Gruppe auf die einzelnen Unterkünfte verteilt.

Abends gabs es dann die schönen Treffen mit den Gastgebern und dem Partnerchor, mal im Gemeindehaus oder eben auch im Privatquartier.

Die Jugend lernten sich schnell gegenseitig kennen und hatte oft andere Pläne, man erkundete die abendliche Stadt, oder traf sich beim Eis an der Elbe und schloss Freundschaften.

Der Sonnabend war der Tag der Ausflüge z.B. in die nähere Umgebung, Karl-May-Museum, sächsische Schweiz, Festung Königstein, Schloß Pillnitz und natürlich die vielen Museen im Stadtgebiet.

Aber auch die gemeinsame Probe vom Posaunenchor für den Gottesdienst am Sonntag, gehörten zum Tagesprogramm. Am Abend wurde dann gemeinsam mit Gastgebern, Familienangehörigen und Freunden ausführlich gefeiert. Dabei wurde auch so manche bewegende Rede gehalten, es gab ja viel zu berichten. Als Dankeschön brachten wir mal Heidehonig, mal Noten aber auch mal Kunsthandwerkliches mit. Es waren die intensiven Gespräche und das wir sind hier fast zuhause, dass diese Partnerschaft gelebt hat. An dieser Stelle ein großer Dank an die Initiatoren und die vielen Unterstützer und Freunde, die auch finanzielle Unterstützung eingebracht haben.

Jede Reise geht zu Ende, und so war der Sonntag mit festlichem Gottesdienst, oft der Schlusspunkt und nach einem Mittagessen in den Quartieren traten wir die Rückreise an.

Mit Öffnung der Mauer wurden die einseitigen Besuche durch wechselnde Treffen fortgeführt.

Aus: "Die Klinke" Gemeindeblatt von Hermansburg