Perikopenrevision 2018 tritt gilt ab dem 1. Advent

Freitag 16. November 2018

Eine neue Ordnung für die Bibeltexte und Lieder im Gottesdienst

 

  1. Kein Gottesdienst ohne Bibeltexte und Lieder! Abschnitte aus der Bibel werden vorgelesen, oft mehrere, und zu einem davon wird gepredigt. Außerdem betet die Gemeinde mit Psalmworten, und einzelne Bibelsprüche begegnen als Wochenspruch und als Hallelujavers. Und die Gemeinde singt Lieder. Für alles dies gibt es in der ganzen Evangelischen Kirche in Deutschland vom 1. Advent an die neue „Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder“.

  2. Welche Texte gelesen, welche Lieder gesungen werden, das ist weder beliebig noch strikt vorgeschrieben. Hier wie an vielen Stellen herrscht eine Balance von evangelischer Freiheit und Verbundenheit. Und für diese Balance steht die „Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder“. Die gab es immer schon. Aber immer wieder ein bisschen anders.

  3. Der prägendste Bibeltext im Gottesdienst ist das „Evangelium“. Die Reihe der Evangelien der Sonn- und Festtage reicht über 1500 Jahre bis in die Frühzeit der Kirche zurück. Mit dieser Evangelienreihe ist im Hochmittelalter eine Reihe von „Episteln“, Lesungen aus den Briefen des Neuen Testaments (einschließlich der Apostelgeschichte und der Offenbarung an Johannes) verbunden worden. Die sogenannten altkirchlichen Evangelien und Episteln sind Jahrhunderte lang – vor und nach der Reformation – in unseren Gottesdiensten gelesen worden und werden weiterhin gelesen – bis heute.

  4. Mit zwei Einschränkungen: Anders als die Lutheraner haben die Reformierten diese Tradition anfangs nicht fortgeführt; mittlerweile sind auch viele reformierte oder reformiert geprägte Gemeinden zu der „alten“ Ordnung zurückgekehrt. Aber – und das ist das Zweite – es ist natürlich nicht mehr ganz die „alte“, sondern eine mehrfach erneuerte, in vielen Einzelheiten veränderte und insgesamt erweiterte Ordnung.

  5. Vor 122 Jahren (1896) wurden der „altkirchlichen“ Doppelreihe drei weitere Reihen zur Seite gestellt: eine mit Evangelien-, eine mit Epistel- und eine mit alttestamentlichen Abschnitten. Vor genau 60 Jahren (1958) wurde im Grundsatz das System erfunden, das vor 40 Jahren (1978) überarbeitet und verfeinert wurde und bis heute gilt: Zu jedem Sonn- und Festtag gibt es einerseits drei feste Lesungstexte (Altes Testament, Epistel, Evangelium), andererseits drei zusätzliche Predigttexte, die in sechs Jahrgängen angeordnet sind; im Lauf von sechs Jahren kommen sie alle als Predigttexte dran. Dabei bilden bisher die „altkirchlichen“ Evangelien- und Epistelreihen die Jahrgänge I und II; je zwei weitere Reihen mit Evangelien- (III und V) und Episteltexten (IV und VI) sind mit Texten aus dem Alten Testament durchsetzt.

  6. 2010 wurden Pfarrerinnen und Pfarrer (und andere am Gottesdienst Mitwirkende) nach ihren Erfahrungen mit der geltenden Ordnung befragt. Im Prinzip zufrieden damit, klagten Predigerinnen und Prediger vor allem darüber, in jedem zweiten Jahr ausschließlich oder doch weitgehend über die oft schwierigen Episteltexte predigen zu müssen. Von Fachleuten wurde weiterer Revisionsbedarf ermittelt: Mehr Texte aus dem Alten Testament, und zwar aus allen seinen Teilen! Mehr Texte, in denen Frauen vorkommen und die das Verhältnis von Männern und Frauen thematisieren! Mehr Texte, die in Kunst und Kultur auch jenseits der Kirche Resonanzen erzeugt haben! Mehr Texte mit aktuellen Bezügen zur heutigen Lebenswelt! Weniger Dubletten! Anderseits: Das Christuszeugnis der Bibel sollte in seiner Vielfalt und seinem herausfordernden Charakter nicht abgeschwächt werden! Auch zu den Wochenliedern wurden Wünsche angemeldet: Mehr neue, weniger alte und schwer singbare!

  7. Aufgrund dieser Erkundungen konnten die Leitungsgremien der lutherischen (VELKD) und der uniert-reformierten (UEK) Kirchenfamilie und der ganzen Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine „moderate Revision“ der Ordnung in Auftrag geben. Ein von Arbeitsgruppen für Texte und Lieder erarbeiteter Entwurf wurde 2014/2015 in den Landeskirchen erprobt, im Licht der eingegangenen Stellungnahmen überarbeitet und im November 2017 von den Synoden verabschiedet.

  8. Die neue „Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder“ behält das System von drei Lesungs- und drei zusätzlichen Predigttexten bei, sortiert aber die Predigttexte jetzt in sechs gemischten Jahrgängen: Abschnitte aus den Evangelien, den Episteln und dem Altem Testament wechseln nun Woche für Woche als Predigttexte ab – eine Entlastung nicht nur für die, die zu predigen haben! Auch die anderen angesprochenen Wünsche wurden umgesetzt. Allerdings: moderat! Schätzungsweise sind weniger als 20% der Texte ausgewechselt oder verändert worden. Jedoch: In den sechs Jahren begegnen rund 70 neue alttestamentliche Texte. Biblische Figuren wie Hagar, Rut und Rahab erscheinen erstmals in der Ordnung der Texte; die fünf Bücher Mose, aber auch das Buch Hiob erhalten deutlich mehr Gewicht; zum ersten Mal begegnen auch Psalmen als reguläre Predigttexte. Zudem sind die Abschnitte zum gottesdienstlichen Psalmgebet, die Wochen- bzw. Tagessprüche und Hallelujaverse durchgesehen und z.T. angepasst worden.

  9. Bei den Liedern der Woche bzw. des Tages gab es (noch) stärkere Veränderungen. Zu jedem Sonn- und Festtag werden nun zwei Lieder vorgeschlagen, die unterschiedlichen Epochen, Stilen usw. angehören oder von denen doch mindestens eines leicht zugänglich und singbar ist. Viele in den letzten Jahrzehnten entstandene und populär gewordene Lieder sind jetzt Lied der Woche bzw. Lied des Tages – darunter nicht weniger als 32, die nicht Stammteil des Evangelischen Gesangbuchs stehen.

  10. Für diese Lieder gibt es nun ein preiswertes Ergänzungsheft zum Evangelischen Gesangbuch, das auch alle Gebetspsalmen für die Gemeinde enthält. Und natürlich erscheint zur Einführung der neuen Ordnung auch ein neues Lektionar, das Buch, aus dem die Lesungen im Gottesdienst vorgetragen werden. Schließlich erscheint zur Gottesdienstvorbereitung für Liturgen und Lektorinnen das Perikopenbuch, das außer den biblischen Texten zu jedem Sonn- und Festtag eine Einführung enthält. Apropos „Perikopenbuch“: „Perikope“ ist das griechische Wort für „Ausschnitt“; so heißen immer schon die biblischen Textabschnitte, die im Gottesdienst vorgelesen und ausgelegt werden. So hieß denn der achtjährige Prozess, der mit der Einführung der „Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder“ zum Abschluss kommt, schlicht: „Perikopenrevision“.

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